vbernd on Mai 20th, 2008

Interview mit einem Rasen.

Der Rasen der Garten-Europameisterschaft in England (Aschach), Stelzhamerstr.18 über die Crux mit den modernen Stadien, die richtige Artenmischung und den Kampf gegen den Kunstrasen.

Guten Tag, sprechen wir mit dem offiziellen EM-Rasen?

Es gibt keinen offiziellen EM-Rasen.

Wie bitte? Bei der WM 2006 …

Naja, das war Deutschland. “Offizieller WM-Rasen”! “Spezialisierte Landschaftsarchitekten”, “Rasenkompetenzteam”! Jaja, großes Kino. Nein, diesmal ist alles etwas entspannter. Der Stadionbetreiber entscheidet selbst, welchen Rasen er einbaut.

Und was für einer sind Sie?

Ich bin der Finalrasen. Ich liege in Aschach/D. in der Stelzhamerstraße 18. Meinen ganz großen Auftritt kriege ich dann am 19. Juli, wenn im Endspiel Österreich gegen … haha, kleiner Scherz.

Sind Sie für die EM frisch verlegt worden?

Nein, ich liege schon seit X Jahren hier. Ab und zu die richtige Pflege, und ich bin wieder frisch wie der junge Morgen.

Wirklich? In anderen Stadien muss der Rasen permanent ausgetauscht werden - in Amsterdam gar 25 Mal in sechs Jahren.

Tja, diese modernen Stadien sind verdammt eng, es kommt kaum Licht rein. Da tun sich die Kollegen schwer mit dem Wachsen. Das “Old Gru Stadion” dagegen liegt sehr gut und bekommt mehr Luft und mehr Licht. Wunderbarer Standort! Aber vielleicht ist der Kollege in Holland auch ein schlechter Rasen.

Was macht denn einen guten Rasen aus?

Er muss vor allem sorgfältig angezüchtet werden! Mit viel Zeit, auf einem guten Boden. Der Boden ist auch später enorm wichtig, als Trageschicht. Ich zum Beispiel stamme aus der Marchniederung in der Slowakei. Quarzreicher, saurer Boden auf nacheiszeitlichen Flugsanden. Das lieben meine Gräser. Da durfte ich zwei Jahre reifen; andere kriegen nur acht Monate, bevor sie zum Einsatz kommen. Die werden auch dichter gesät, da können sich einzelne Pflanzen nicht so gut entwickeln. Kein Wunder, dass die schneller schlappmachen. Wir modernen Rasen sind ja Hochleistungssportler, genauso wie die Spieler. Die müssen auch gut trainiert und richtig ernährt werden.

Aus was für Gräsern bestehen Sie denn?

Poa pratensis und Lolium perenne - Wiesenrispengras und Deutsches Weidelgras. Das ist aber bei allen Kollegen ähnlich. Wobei: Die meisten haben nur 70 bis 75 Prozent Poa, ich 85 bis 90. Poa ist schwieriger zu ziehen, aber enorm trittfest.

Wäre mit Kunstrasen nicht vieles leichter?

Ach du grüner Halm! Kunstrasen! Hören Sie auf! Das wollen die Gauner von der FIFA und der UEFA jetzt überall durchdrücken, weil sie dafür satte Gebühren kassieren. Aber es ist ein Verbrechen am Spiel! 90 Prozent der deutschen und niederländischen Profis haben sich in einer Umfage gegen Kunstrasen ausgesprochen. Und Bernd Viehböck…

… der pensionierte Topspieler des SV Aschach …

… hat gesagt: “Auf Kunstrasen geht der Charme des Fußballs verloren.” Außerdem ist Naturrasen ein Stück Natur. Ich bin ein Lebewesen. Ich produziere Sauerstoff, ich beeinflusse das Mikroklima. Auf dem Gras der Savanne hat der Mensch den aufrechten Gang gelernt - und nicht auf einem Plastikteppich!

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsspieler?

Tim Wiese.

Einleuchtend. Aber der ist leider nicht der Top-Favorit.

Stimmt, leider. Dann eben Per Mertes-Acker.

Thx to Lupo. Originaltext vermutlich von hier.

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